Mittwoch, 17. Juni 2015

Schullektüren [K]

Hallo ihr Lieben!

Heute geht es um eine große Herzenssache von mir: Schullektüren.
Wenn ich meine eigene Schulzeit reflektiere, dann habe ich – traurig aber wahr – in all den Jahren nur 5 Bücher in der Schule gelesen. (Zwei davon auch noch im Englischunterricht.) Ich finde das viel zu wenig. Vor allem, weil eines davon kaum behandelt wurde und das andere eigentlich kein Buch sondern ein Drama war. Mir ist natürlich klar, dass es an anderen Schulen anders läuft und mehr gelesen wird. Aber eben leider nicht an allen. Und ich finde auch, man muss nicht nur dann ein Buch mit den Schülern lesen, wenn es gerade im Lehrplan steht. Bücher gehen immer und deswegen bin ich auch für viel mehr Literatur in unseren Schulen.
Ich bin auch der Meinung, dass man sich als Lehrer viel mehr Gedanken über das Buch, das man mit Schülern lesen will, machen sollte. Wir haben damals z.B. „Der Vorleser“ gelesen und auch wenn es vielleicht bekannt ist und eine wichtige Thematik beinhaltet, ist es einfach ziemlich langweilig für Teenager und folglich hatte auch niemand Lust, das Buch zu lesen. Es ist ja schön und gut, wenn man in der Oberstufe ein Buch wählt, das sich gut eignet, um Stil, rhetorische Mittel und Inhalt zu analysieren oder wenn man zu Klassikern greift, weil diese einfach ein wichtiges Stück Literatur sind, aber trotzdem sollte man versuchen, ein Buch zu wählen, dass die Schüler auch anspricht.
Oft hilft es sogar, wenn man sie selbst entscheiden lässt. Man kann ja eine Vorauswahl treffen und dann aus drei Optionen wählen lassen. Dann haben sie zumindest noch ein Mindestmaß an Entscheidungskraft. Letztlich sollen Schullektüren ja auch immer zum Lesen anregen und man gewinnt keine neuen Leser, indem man sie langweilt.
Gerade deshalb – und zum Glück ist das auch meistens so – finde ich es unnötig, in der Unterstufe schon mit literarischen Meisterwerken anzurücken. Hier ist es viel sinnvoller, einfach ein Jugendbuch zu wählen, dass vielleicht noch eine Message hat, über die man diskutieren kann. Nicht ist doch wichtiger, als die Persönlichkeit junger Schüler ein wenig in geregelte Bahnen zu lenken – und wie klappt das besser, als mit einem Buch, dass ihr Alter anspricht? (Mehr Gedanken dazu gibt es in meinem Post über Jugendbücher.)
Deshalb tagge ich selbst auch auf dem Blog gerne Jugendbücher, weil man mit einem Jugendbuch aus dem Gay Romance Genre gleich ein wenig die Toleranz fördern kann.
Und letztlich sind es auch wieder die Bücher, die Jugendliche ansprechen, die ihr Leseverhalten fördern.
Das gilt übrigens auch für den Englischunterricht. Wir haben damals die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens gelesen. Natürlich im Original, also mit alten Englischen Wörtern und Formulierungen, die kaum einer verstanden hat. Das war natürlich kontraproduktiv, weil am Ende keiner mehr durchgestiegen ist. Hier ist es viel wichtiger, ein Buch zu wählen, dass klar verständlich ist und vielleicht die Schüler auch noch vom Thema anspricht. (Einige Jahre zuvor haben wir einen Thriller gelesen, der selbst die Schlechtesten in der Klasse zum Lesen motiviert hat.) Letztlich soll es im Englischen ja eher eine Lernhilfe sein. Warum dann nicht wirklich ein Thriller oder Fantasy? Alte Werke kann man ja immer noch im Leistungskurs behandeln. (Wer sich für das Thema Englisch interessiert, kann auch mal hier vorbei sehen. Da habe ich der Sache einen ganzen Post gewidmet.)
Ich fürchte, jetzt habe ich so viel dazu geschrieben und keiner interessiert sich dafür. Aber falls ihr ein Lehrer auf Schullektürensuche oder sonst wie selbst betroffen seid, dann fühlt euch ermutigt, das ganze mal zu überdenken und vielleicht ein wenig in die Tat umzusetzen. Ich verweise auch auf meinem Label „Schullektüren“, da findet ihr Rezensionen zu Büchern, die ich für die Schule ganz passend finde.

Jules :)

Kommentare:

  1. Hallo Jules,

    ein super Thema, ich liebe es über Schullektüren zu sprechen.

    Schade, dass du nur so wenig Bücher gelesen hast. Bei mir waren es grob geschätzt in allen Sprachen 20 oder mehr.

    Ich finde auch, dass man viel mehr in Schulen lesen sollte. Allerdings glaube ich, dass es tatsächlich schwierig ist so etwas zu machen, wenn es nicht im Lehrplan steht. Sonst hat man nämlich das Problem das du bei deiner Lektüre bemängelt hast: Die Zeit ist nicht da um es richtig zu besprechen.

    "Der Vorleser" haben wir auch gelesen. Ich fand es abgesehen vom Mittelteil wirklich gut. Aber auch hier muss ich dir ein bisschen widersprechen: Die Lehrer suchen nicht jedes Buch selbst aus. Viel wird vom Land vorgegeben und dann ist es eben auch so, dass alle Deutschkurse den Vorleser lesen, also liest man ihn selbst auch.

    Ich find das schwierig in der Unterstufe einfach ein Jugendbuch zu lesen das gerade auf der Spiegel-Bestsellerliste steht, nur weil das die Kids mehr anspricht als eine klassische Schullektüre (und ich meine nicht Klassiker als ein Werk von Goethe oder so). Wenn ein Buch eine Message hat ist das sicher gut, aber wenn das Buch sonst nichts zu bieten hat, eignet sich das meiner Meinung nach auch nicht als Schullektüre. Außer der Message muss ja was zum diskutieren und lernen da sein, seien es Stilmittel oder das besondere Setting (DDR, Weltkrieg ...)

    Außerdem ist und bleibt Lesen einfach Geschmackssache. Wir haben in der Schule zum Beispiel Level 4 gelesen, ein ganz modernes normales Jugendbuch, was sich jeder auch im Buchladen kaufen könnte und würde. Letztendlich fand es aber trotzdem die halbe Klasse doof und ich würde mal behaupte thematisch war das echt interessant und nichts wo man generell sagt: Nein, danke.
    Mir hat es gefallen, aber mir haben auc h viele andere Schullektüren gefallen, weil mir Bücher gefallen. Wenn man aber Bücher nicht mag oder das Lesen zuhause nicht gefördert wird, kann da auch die beste Schullektüre (die es sowieso nicht gibt) nichts machen.

    Grundsätzlich finde ich aber das du Recht hast, da wo es möglich ist, sollte der Lehrer mit seinen Schülern kommunizieren und etwas finden, was sie auch interessiert. Alle wird er nicht erreichen, aber zumindest einige.

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  2. Hey :)

    Ich weiß nicht, warum wir so wenig gelesen haben. Und dann noch so beschissene. xD

    Ja, ich geb dir recht: Der Lehrplan ist schon falsch aufgestellt. Aber vllt sollten die Zuständigen sich dann einfach mal überlegen, dass zu ändern. Ich finde das nämlich wichtiger als so manch anderer Schrott, der so gelehrt wird.

    Also was "Der Vorleser" anging, kann ich dir versichern, dass das unsere Lehrerin ganz alleine entschieden hat. Die anderen Klassen haben nämlich andere Bücher gelesen.
    Zwar auch Klassiker, aber halt andere. Da hätte man uns ruhig fragen können, welches Buch wir lesen wollen. Also im Sinne von: Sie hätte ja ein paar Klassiker raussuchen können und wir hätten zumindest zwischen Pest und Cholera wählen können.

    Hier muss ich dir Widersprechen. Keine Anung, wie das am Gymnasium ist, aber ich war ja anfangs "nur" Realschule und hab erst später noch mein Abi gemacht.
    Und bei uns war das damals so, dass wir das Buch wirklich nur gelesen und über den Inhalt gesprochen haben. Da hat niemand irgendwelche Stilmittel oder sonst was mit analysiert. Und auch das Setting war jetzt nichts, was irgendwie mit dem Geschichtsunterricht oder so zu tun hatte.
    Also mag sein, dass das an manchen Schulen schon so gemacht wird, aber wenn man doch eh sonst nichts mit dem Buch anfängt, kann man ja auch etwas nehmen, was die Schüler mehr interessiert.

    Und ja, ich gebe dir recht: Man wird nie den Geschmack aller treffen. Aber ist es nicht besser, einen Großteil glücklich zu machen, als gar keinen?
    Ich finde es jedenfalls nicht in Ordnung, wenn der Lehrer ganz alleine entscheidet.

    lg :)

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