Montag, 25. Dezember 2017

Missbraucht (Jamie Fessenden)

Titel: Missbraucht (Rezensionsexemplar)
Autor: Jamie Fessenden
Verlag: Dreampsinner Press
Seitenzahl: 302 Seiten
Beschreibung: Derekes Leben verläuft glücklich und in geregelten Bahnen - bis eine Geschäftsreise mit seinem Chef und Kumpel Victor alles verändert. Nach einer Nacht ist nichts mehr, wie es einmal war und die einzige Hilfe, die Derek nun noch erwarten kann, ist die von seinem neuen Nachbarn, Polizist Russ.

Meine Meinung:

Ehrlich gesagt habe ich mir bei diesem Buch einfach ein bisschen mehr Dramatik erhofft.
Ich dachte, die Gewaltszenen kommen vielleicht ein wenig stärker heraus, es wird ein bisschen heftiger und schockierender gestaltet. Ich weiß, das klingt vielleicht blöd, aber es hat mich doch ziemlich enttäuscht. Schließlich hilft eine drastische Beschreibung ja dem Leser dabei, den Charakter dann besser nachvollziehen zu können. Man ist dann näher am Geschehen dran, sozusagen. Außerdem denk ich mir, wenn man schon über so ein schreckliches Thema schreibt, dann muss man auch versuchen, es so schlimm darzustellen, wie es eben nun mal ist.
Ich glaube, das ist dann letztlich auch der Grund, warum mir das Buch ein wenig zu unpersönlich wirkte. Man hat zwar als Leser einen guten Einblick in die Gedanken des Charas bekommen, aber irgendwie hat man einfach trotzdem nicht mitfühlen können. Als wäre da immer ein bisschen eine Distanz vorhanden.
Ich möchte jetzt aber nicht, dass ein komplett falscher Eindruck von dem Buch entsteht. Ich mag z.B. sehr, wie sich Derek mit seinem Nachbarn annähert und wie dieser versucht, für ihn dazu sein. Ich mag es auch, wie sie um einander herumtänzeln und lange zu keinem Ergebnis kommen, ich liebe es, wie ihe Hunde eingebaut wurden und ich finde es super, wie Probleme von Derek nach der Vergewaltigung dargestellt werden.
Davon ab, dass es mir ein wenig zu unpersönlich war, wird auch gut auf den Vergewaltigungsaspekt eingegangen. All die Selbstvorwürfe, Schuldzuweisungen, Selbstmordgedanken – eben so die typischen Reaktionen von Opfern – finde ich sehr gut dargestellt. Auch werden gewisse Probleme und Lebensveränderungen im Zusammenhang mit der Vergewaltigung deutlich – alles eben sehr realistisch gehalten.
Auch der Stil ist wirklich gut. Vielleicht an mancher Stelle etwas zu kitschig oder zu dramatisch, aber nie so, dass es komplett überwiegt – man kann also gut darüber hinwegsehen.
Also durchaus ein lesenswertes Buch, dass ich euch gerne ans Herz legen möchte.

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